FAQs

Ob mit oder ohne Diagnose: Wer sich mit dem Thema Glutenfunverträglichkeit beschäftigen mag, beackert ein weites Feld und kann sich schnell in den Fragen verlieren. Um eine erste Orientierung zu liefern, habe ich ein FAQ erstellt. Bitte berücksichtigt, dass ich kein Mediziner, kein Ernährungsberater oder gar ein Experte auf dem Gebiet bin. Ich schreibe aus der Patientensicht und teile lediglich mein erarbeitetes Wissen und meine Erfahrungen mit euch. Wer den Verdacht einer Glutenunverträglichkeit oder einer anderen Nahrungsmittelunverträglichkeit hegt, ist immer gut beraten einen Arzt aufzusuchen. ;-)



Was ist Gluten?

Gluten ist der Oberbegriff für verschiedene Getreideproteine, die aufgrund ihrer Backeigenschaft auch als Kleberproteine bezeichnet werden. Du findest sie in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste, Grünkern, Dinkel, Kamut, Einkorn, Urkorn, Emmer, Triticale und anderer Weizenabkömmlinge. Die Getreideproteine machen bis zu 40 % des Gesamtproteins der jeweiligen Getreidesorte aus und stellen die eigentlichen Auslöser der Zöliakie dar. Getreidesorten mit einem geringeren Gehalt verursachen keine Glutenunverträglichkeit. Dazu zählen unter anderem Mais, Reis und Hirse. Ob das Getreideprotein aus Hafer eine toxische Wirkung hat, wird heiß diskutiert. Es konnte gezeigt werden, dass Hafer in kleinen Mengen (70g/Tag) keine Zöliakie auslöst. Aber auch nur dann, und das ist besonders wichtig, wenn er nicht durch den Anbau- oder Produktionsprozess mit glutenhaltigem Getreide in Kontakt geraten ist. Wenn Hafer nicht als glutenfrei ausgewiesen wird, ist vom Verzehr leider abzuraten.


Glutenunverträglichkeit, Zöliakie, Sprue? What’s the story morning glory?

Seid ihr auch schon über die unterschiedlichen Begrifflichkeiten gestoßen und ein wenig verunsichert? Wo liegt der Unterschied zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeit, -allergie und -intoleranz? Sind Zöliakie, Sprue und Glutenunverträglichkeit das Gleiche? Und was bedeutet Glutensensitivität? Fragen über Fragen, für die man wohl den Kopf in die Literatur halten muss. Denn das Gespräch mit dem Mediziner oder Ernährungsberater setzt in der Regel etwas weiter hinten an.

Also tauche ich ab… Während meiner Recherche stoße ich auf die Arbeitsgruppe der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie (EAACI). Sie setzt sich für eine einheitliche Terminologie ein und liefert ein sehr übersichtliches Schaubild, dass die Bedeutungen bzw. Abgrenzungen der Begrifflichkeiten schon ein ganzes Stück greifbarer macht.

Die Europäische Akademie für Allergologie und klinische Immunologie unterteilt die Nahrungsmittelunverträglichkeiten (häufig in der Literatur nur als NMU angeführt) in toxische und nicht toxische Reaktionen ein. Dazu zählen alle sich wiederholenden, unerwünschten und unerwarteten Reaktionen, die nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel auftreten.

Mit einer toxischen Reaktion kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens in Berührung kommen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Lebensmittelvergiftung, die zeitnah Durchfall oder Kreislaufprobleme zur Folge hat.

Nicht toxische Reaktionen, die seit 2001 auch als Hypersensitivität definiert werden, treten bei Menschen auf, deren Körper sensibler auf bestimmte Substanzen reagiert. Die Toleranzgrenze dabei ist ganz individuell. Während du eine Toleranzgrenze von Null haben kannst, kann dein Nachbar vielleicht noch ausreichend von der Substanz futtern, ohne, dass sein Organismus negativ darauf reagiert. Aufgrund der Vielzahl möglicher Auslöser wird die nicht toxische Reaktion noch einmal unterschieden in immunologisch vermittelte und nicht immunologisch vermittelte Reaktionen. In einfachen Worten: Man unterscheidet zwischen allergischen Reaktionen und nicht allergischen Reaktionen. Ich hoffe ihr kommt soweit noch mit. :-P

Die nicht allergische Reaktion ist auch als Nahrungsmittelintoleranz bekannt. Diese liegt vor, wenn immunologische Mechanismen im Blutbild nicht nachweisbar sind. Kennzeichnend ist eine individuelle Überempfindlichkeit gegenüber Stoffen, die von Gesunden problemlos toleriert werden. Zu den bekanntesten Intoleranzen zählt sicher die Laktoseintoleranz, bei welcher der über die Nahrung aufgenommene Milchzucker, wegen des fehlenden oder nicht ausreichend produziertem Enzyms Laktase, nicht verdaut wird. Die spürbaren Folgen sind zeitnahe Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Dünsch. Wer nach einem positiven Atemtest eine gesicherte Diagnose vom Arzt vorliegen hat, kann über Tabletten das fehlende Enzym vor der Nahrungsaufnahme einnehmen und beschwerdefrei das Essen genießen.

Konzentrieren wir uns aber auf die allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit, denn genau hier wollen wir uns in die Tiefen vorarbeiten. Die Mehrzahl der Patienten mit einer allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit leidet unter einer durch den Antikörper Immunglobin E (IgE) vermittelten Nahrungsmittelallergie, weshalb diese besonders gut untersucht ist. Zu den bekanntesten Nahrungsmittelallergien zählen die Reaktionen auf Nüsse, Fische, Krustentiere, Milch, Hühnereier, Senf- und Sesamsamen, Obst und Gemüse. Bei den meisten Betroffenen sind Sofortreaktionen wie Atemnot, Durchfall, Erbrechen oder gar ein anaphylaktischer Schock zu beobachten. Die Häufigkeit der Nahrungsmittelallergien verändert sich mit zunehmendem Alter. Solltet ihr also heute auf ein Lebensmittel oder eine bestimmte Substanz allergisch reagiert, kann es gut sein, dass sich die Allergie in einigen Jahren wieder einstellt. Der sichere Nachweis von Nahrungsmittelallergien erfolgt über Provokationstests. Das bedeutet, dass ihr unter ärztlicher Beobachtung der Substanz ausgesetzt werdet, die der Erwartung nach eure Allergie auslöst. Reagiert ihr positiv darauf, ist die Diagnose gesichert.

Eine deutlich kleinere Anzahl von Patienten, und zu diesen zählen wir, leidet unter einer allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeit, die sich auf der Ebene der immunologisch sensibilisierten T-Lymphozyten abspielt. T-Lympho-was? Die T-Lymphozyten bilden eine Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dient. Durch die Nahrungsaufnahme werden bei Betroffenen auf Ebene der Zellen Veränderungen hervorgerufen. Durch die Veränderung der Zellen, werden einzelne Nahrungsbestandteile nicht mehr richtig aufgenommen, wodurch diverse Symptome auftreten können. Da die allergische Reaktion aufgrund des Transportweges der Nahrungsmittel und der Veränderung der Zellen zeitlich verzögert abläuft, ist eine eindeutige Zuordnung leider schwierig.

Die glutensensitive Enteropathie, oder auch als Glutenunverträglichkeit, Zöliakie und Sprue bekannt, gehört zu eben dieser Art von allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Das Klebereiweiß Gluten löst eine Immunreaktion im Dünndarm aus, die zur Schädigung der Darmschleimhaut und dadurch zur verminderten Aufnahme der Nahrungsbestandteile führt. Je nach Schwere kann es neben leichten Blähungen und Eisenmangel zu Durchfall mit schweren Gedeihstörungen und Kleinwuchs kommen. Die Entstehung der Krankheit wird durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren bestimmt. Ausgehend von einer genetischen Prädisposition diskutiert man in der Medizin unter anderem die Möglichkeit, dass Darminfektionen in der Kindheit, zur Schädigung der Darmschleimhaut beigetragen haben. Diese Art von Allergie kann in jedem Lebensalter auftreten und erfordert eine lebenslange glutenfreie Ernährung.


Gibt es unterschiedliche Formen der Glutenunverträglichkeit?

Leider ja. Neben dem klassischen Vollbild der Erkrankung gibt es noch andere Verlaufsformen, die wegen ihrer untypischen oder fehlenden Beschwerden der Diagnostik entgehen können. Ich umreiße für euch die unterschiedlichen Formen und versuche ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Bei der aktiven Zöliakie lassen sich neben dem Antikörper im Blut auch eindeutig Schäden im Dünndarm nachweisen. Je nach Stärke der Symptome unterscheidet man zwischen der klassischen und der atypischen Form (statt atypisch findet ihr in der Literatur oft auch den Begriff: mono-/oligosymptomatische Form). Die klassische Zöliakie zeigt das Vollbild der Erkrankung mit den typischen Symptomen wie Durchfall, Blähungen, Gewichts- und Appetitverlust, Vitamin- und Eisenmangelzustände und Osteoporose auf. Die atypische Form der Glutenunverträglichkeit tritt insbesondere bei Erwachsenen auf. Wegen der milden Symptome wird sie eher zufällig festgestellt.

Auch die silente Zöliakie wird eher zufällig entdeckt. Hier lassen sich trotz fehlender Symptome sowohl Veränderungen der Darmschleihaut als auch die Zöliakie-Antikörper im Blut nachweisen.

Eine weitere Form der Erkrankung ist die latente Zöliakie. Sie liegt vor, wenn die medizinischen Ergebnisse nicht eindeutig sind und unter glutenreicher Ernährung die Krankheit zu einem späteren Zeitpunkt ausbrechen kann.

Der Begriff der potenziellen Zöliakie wird für Betroffene verwendet, die teilweise oder im Verlauf positive Antikörpertests, aber wenige oder keine Symptome bei einer gesunden Darmschleimhaut aufweisen.

Eine Erscheinungsform, die im Kindesalter mit klassischen Symptomen sowie klarer Diagnose verläuft, allerdings bei späterer Glutenbelastung im Vorschulalter nicht wieder auftritt, nennt sich transiente Zöliakie.

Zu guter letzt gibt es noch die refraktäre Zöliakie. Unter ihr leiden in der Regel Erwachsene, die einen gesicherte Diagnose haben, aber nicht mehr auf eine strikte glutenfreie Diät ansprechen. I feel you, guys! Grund kann eine nicht konsequent durchgeführte Diät sein. Aber auch Patienten, die sehr spät diagnostiziert wurden, leiden darunter.


Welche Symptome bringt die Glutenunverträglichkeit mit sich?

Dadurch, dass die Glutenunverträglichkeit wirklich unterschiedlich und nicht immer eindeutig verlaufen kann, gibt es zahlreiche Symptome, die ich hier, ohne sie weiter zu erklären, aufzähle. Bitte zieht keine voreiligen Schlüsse – viele der Symptome können auch durch andere Krankheiten oder Ursachen hervorgerufen werden. Der sicherste Weg, ist der zum Arzt. ;-)

Symptome rund um euren Verdauungstrakt: Durchfall, Blähungen, Blähbauch, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, wirklich stinkiger lehmartiger Stuhlgang

weitere Symptome: Folsäuremangel, Vitamin-K-Mangel, Eisenmangel, Blässe, Gewichtsverlust, Wachstumsstörungen, Knochenschmerzen, Knochenschwäche, Zahnschmelzdefekte, rheumatische Beschwerden, Unfruchtbarkeit, erhöhtes Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Angstzustände, Depression


Wie kann ich herausfinden, ob ich eine Glutenunverträglichkeit habe?

Wenn ihr den Verdacht einer Nahrungsmittelunverträglichkeit mit euch herum tragt, dann kann ich euch aus eigener Erfahrung raten: Spart euch die im Handel erhältlichen Schnelltests, sie sind unzuverlässig! Verzichtet nicht eigenhändisch auf Nahrungsmittelgruppen, ihr raubt euch ein Stück weit wichtige Lebensqualität! Geht lieber gleich zu einem Facharzt. Je nach Verdacht, gibt es unterschiedliche Ansätze, um sich Gewissheit zu verschaffen. Euer Arzt sollte euch dahingehend gut beraten können.

Die Diagnose der Glutenunverträglichkeit kann, wie bei mir, ein langer Weg sein oder aber recht schnell eindeutig ausfallen. So oder so fordert die Diagnose vom Arzt viel Erfahrung und Geduld. Einer sicheren Diagnose geht ein systematisches Vorgehen unter Berücksichtigung individueller Faktoren voraus. Am Anfang steht in der Regel die Anamnese. Ihr erzählt eurem Arzt zunächst, welche Krankengeschichte ihr bereits hinter euch habt. Vielleicht habt ihr sogar schon ein Tagebuch über eure Ernährungsgewohnheiten geführt, das ihr vorlegen könnt? Das erste Gespräch sollte euch auch dazu dienen, Vertrauen zum Arzt aufzubauen. Solltet ihr euch nicht verstanden fühlen, geht ruhig zum nächsten Facharzt. ;-)

Nach der Anamnese erfolgt der klinische Befund, samt Bluttest und Dünndarmbiopsie. Beim Bluttest werdet ihr auf entsprechende Antikörper getestet. Die Erhöhung aller Antikörper bieten eine hohe Sicherheit zur Diagnosestellung, da sie in mehr als 95 % der Fälle mit einer Glutenunverträglichkeit einhergeht. Dem Bluttest folgt die Dünndarmbiopsie. Der Arzt holt unter Narkose kleine Gewebeproben aus eurem oberen Dünndarm und lässt diese anschließend mikroskopisch (histologisch) untersuchen. Fällt auch hier das Ergebnis positiv aus, ist die Diagnose gesichert. Dieses Vorgehen definiert die European Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition sowie die deutsche (DZG) und italienische (AIC) Zöliakiegesellschaft als Goldstandard und sollte von eurem Gastroenterologen im Idealfall umgesetzt werden.

Bitte beachtet, dass die Biopsie wie auch der Antikörper-Test nur unter glutenhaltiger Ernährung zu aussagekräftigen Ergebnissen führen. Ihr solltet vorher wirklich nicht aus einer vagen Vermutung heraus, auf eine glutenfreie Ernährung umsteigen. Solltet ihr das doch getan haben, sprecht das unbedingt mit dem Arzt ab. Er wird euch empfehlen, wieder einige Monate auf die glutenhaltige Ernährung umzustellen.


Wie behandelt man eine Glutenunverträglichkeit?

Die einzige Therapie bei einer Glutenunverträglichkeit ist eine lebenslange, glutenfreie Diät. Haltet ihr euch daran, verbessern sich die Beschwerden und der allgemeine Gesundheitszustand oft schon innerhalb weniger Wochen. Ich habe die Diagnose damals wenige Tage vor meinem Urlaub bekommen und mich in keinem Urlaub besser gefühlt. Es ging mir so schnell, so viel besser, dass es für mich eine ausgesprochene Motivation war, mich glutenfrei zu ernähren. Darüber hinaus bot mir mein Urlaubsland eine Menge glutenfreier Alternativen, die es hier (noch) nicht gab.


Gibt es Medikamente, die ich nehmen kann, damit ich doch Lebensmittel mit Gluten essen kann?

Leider nein. Wer eine chronische Unverträglichkeit gegenüber das Klebereiweißes Gluten hat, muss auf Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und deren Derivate verzichten. Auch das von Natur aus glutenfreie Hafer, sollte hierzulande, sofern es nicht als glutenfrei ausgewiesen ist, vermieden werden, da es durch Produktionsprozesse kontaminiert werden kann. Insgesamt erfordert die Glutenunverträglichkeit eine strikte lebenslange Umstellung der Ernährung. Die Toleranzgrenze für euren Körper liegt bei 10 mg am Tag. Das ist ein Krümel von irgendwas…


Wie ernähre ich mich glutenfrei und welche Lebensmittel darf ich nicht mehr essen, wenn ich eine Glutenunverträglichkeit habe?

Ich möchte euch an dieser Stelle eine elend lange Liste an zu vermeidenden Lebensmitteln ersparen. Denn letzten Endes kann Gluten jedem industriell gefertigtem Lebensmittel zugefügt werden – oder auch nicht. Seid euch einfach bewusst, dass Gluten in den Getreidesorten Weizen, Roggen, Gerste, Grünkern, Dinkel, – und hier würde meine Konzentration schon abbrechen – Kamut, Einkorn, Urkorn, Emmer, Triticale und anderer Weizenabkömmlinge vorkommt. Sensibilisiert euch beim Einkaufen, beim Kochen und beim Essen gehen. Nehmt anfangs so viele praktische Tipps zum Einkauf und zur Zubereitung mit, wie ihr greifen könnt. Mein Tipp: Kocht selbst! Bedient euch an den Obst- und Gemüsetheken, kauft frische Waren wie Käse, Fleisch und Wurst und fragt, wenn nicht ausgezeichnet, den Fachverkäufer nach Inhaltsstoffen. Kommen euch keine kompetenten Antworten entgegen, zieht weiter. Wenn man sich einmal in seinem Viertel orientiert hat, ist es wirklich einfach und günstig, sich mit frischen oder wenig verarbeiteten Nahrungsmitteln, glutenfrei zu ernähren. Zudem dürfte es der sicherste Weg sein, die unverträglichen Lebensmittel zu vermeiden.

Und machen wir uns nichts vor, eine Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung ist mit großen Änderungen deiner Gewohnheiten verbunden und führt zu Einschränkungen im sozialen Leben. Darüber hinaus kann sie deutlich teurer sein, als eine normale Ernährung.

Rückblickend war ich gerade in den ersten Monaten nach der Diagnose ganz schön gestresst und naiv. Man bekommt zunächst einen Zettel mit Lebensmittel(gruppen) die man nicht mehr essen darf. Klar, geht da der Mundwinkel das erste Mal so richtig nach unten. Ein weiteres Mal, wenn man durch den Supermarkt geht und sich jede Zutatenliste durchliest. Naja, und dann noch mal, wenn man bei der Ernährungsberatung war. Und jedes weitere Mal, wenn im Restaurant die Antwort kommt, dass alles ohne Glutamat hergestellt wird. Hell yeah. Wenn es das nur wäre…

Haltet euch immer vor Augen, dass ihr euch mit einer strikten glutenfreien Ernährung recht schnell besser fühlen werdet. Gesundheitlich geht es bergauf und ihr gewinnt Energie zurück. Darüber hinaus gibt es soooo viele, tolle Lebensmittel, die von Natur aus glutenfrei sind, dass es nach einer Anpassungsphase eine Bereicherung für euch sein kann. Seht es als Abenteuer! Entdeckt die Küche für euch neu. Es kann wirklich verdammt viel Spaß machen.


Was mache ich, wenn ich doch etwas gegessen habe, dass Gluten enthält?

Leider kannst du nicht viel machen, als es auszusitzen. Achte unbedingt darauf, die Aufnahme von Gluten zu vermeiden. Es ist die einzige Behandlung, die es heute für Zöliakiepatienten gibt. Mein Arzt hatte mir damals erklärt, dass es eine starke, vor allem mentale Herausforderung sein wird, auf Lebensmittel zu verzichten und er es aus psychologischer Sicht vertreten würde, wenn man in seltenen Fällen sündigt. Ich persönlich habe das ein ums andere Mal getan… Mittlerweile bin ich durch die Ernährungsumstellung und die bewusste Ausrichtung auf bio, regional, saisonal, selberkochen derart sensibilisiert, dass mir viele Lebensmittel mit Gluten nicht mehr schmecken würden. Insgesamt bin ich willensstärker geworden. Und nicht zuletzt ist es aus medizinischer Sicht erwiesen, dass man mit jeder Glutenaufnahme das Risiko von Folgeerkrankungen erhöht. Und wer möchte dieses Risiko schon gerne tragen? Be strong, be consistent, be glutenfree.


Ist eine glutenfreie Ernährung auch eine gute Diät für Menschen ohne Glutenunverträglichkeit?

Nein, nein und leider echt noch einmal, nein. Eine ausgewogene, und das meint eine vollwertige und bedarfsgerechte Ernährung, ist für jeden von euch eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden, leistungsfähigen Körper, in dem ihr euch wohl fühlen könnt. Je mehr Nahrungsmittel ihr weglasst, desto einseitiger wird eure Ernährung und um so größer lauft ihr Gefahr, eurem Körper wichtige Nährstoffe zu entziehen. Eine glutenfreie Diät sollte wirklich nur dann bewusst umgesetzt werden, wenn eine gesicherte Diagnose vorliegt.


Lohnt sich eine Ernährungsberatung?

Auf jeden Fall hilft euch eine Ernährungsberatung weiter. Selbst wenn ihr bereits bestens durch Literatur und Ärzte informiert seid, hilft euch die Beratung, euer Wissen zu verfestigen. Im Idealfall erfolgt die Zuweisung zur Ernährungsberatung durch euren Arzt. Auf dessen Empfehlung hin sollte eure Krankenkasse die Maßnahme auch bezuschussen. Letzten Endes soll euch die Beratung die Zusammenhänge zwischen der Glutenunverträglichkeit und eurer Ernährung erklären und euch dazu befähigen, sicher die glutenfreie Diät durchzuführen.


Sind glutenfreie Lebensmittel deutlich ausgewiesen?

Die Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln ist über nationale und internationale Gesetze geregelt. Für Endverbraucher ist in Deutschland die Auskunft über Herkunft, Haltbarkeit und Zutaten auf Lebensmitteln heute sehr viel deutlicher gestaltet als noch vor wenigen Jahren. Seit 2014 müssen Allergiestoffe auf den Zutatenlisten der Lebensmittel von den Produzenten in Fettschrift hervorgehoben werden, wenn sie nicht schon im Produktnamen ersichtlich werden. Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit können sich so besser orientieren.

Hier, wie auch in zahlreichen anderen Ländern, können wir uns besonders schnell durch das Glutenfrei-Symbol orientieren, das auf vielen Nahrungsmittel ausgewiesen wird. Vergeben wird das eingetragene Warenzeichen in Deutschland durch die Deutsche Zöliakie Gesellschaft, die seit vielen Jahre den Weg zu einer besseren Kennzeichnung bestreitet. Um als Lebensmittelhersteller das Symbol verwenden zu dürfen, muss jedes Lebensmittel strenge Vergabekriterien erfüllen. Besonders vor der aktuellen Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln, war das Symbol eine schnelle und sichere Hilfe bei der Lebensmittelauswahl. Auch wenn wir heute durch die aktualisierte Lebensmittelkennzeichnung eine bessere Orientierung beim Einkauf haben, besteht immer noch die Gefahr kontaminierte Lebensmittel einzukaufen. Seid also sowohl beim Einkauf, insbesondere wenn ihr lose Waren kauft, als auch beim Restaurant- und Café-Besuch aufmerksam. Wer sich weiter informieren möchte, findet ausreichend Informationen auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.


Was bedeutet „Kann Spuren von…“ enthalten?

Hierüber weisen Nahrungsmittelhersteller freiwillig potenzielle, allergieauslösende Bestandteile der Nahrung aus, die durch den Produktionsprozess in das Lebensmittel mit einfließen können. Wenn also in einer Produktionsstätte zwei unterschiedliche Lebensmittel hergestellt werden, besteht die Möglichkeit, dass Bestandteile des einen Produkts sich auf das andere (und andersherum) übertragen werden können. Sollte ein Allergiker nach dem Verzehr eines Produkts, das keinen Hinweis auf eine mögliche Beimischung des Allergens enthält, allergische Symptome aufzeigen, so kann der Hersteller haftbar gemacht werden, wenn sich das Allergen im Produkt nachweisen lässt. Lebenswichtig kann diese Auszeichnung insbesondere für Allergiker sein, die mit einem anaphylaktischen Schock zu rechnen haben.


Wie viele Menschen leiden an einer Glutenunverträglichkeit?

Je nach Quelle ist einer von 200 bzw. 250 Bürgern in Deutschland von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Weil viele Menschen sich nicht testen lassen, aber auch, weil die Diagnosestellung der Zöliakie verhältnismäßig jung ist, liegt die Zahl der diagnostizierten Fälle deutlich niedriger.


Habe ich etwas vergessen? Dann schreibt mir, ich antworte gern!